Hyperloop: Mit der Rohrpost durch Europa

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Von Brüssel nach Barcelona in nur 30 Minuten – das klingt phantastisch. Könnte aber in naher Zukunft Wirklichkeit werden, denn weltweit arbeiten Unternehmen und Universitäten an einem Turbo-Verkehrsnetz. Die „Schnellsten“ kommen aus München.

Für den Tesla-Gründer Elon Musk spielt der Hyperloop im Verkehr der Zukunft eine überragende Rolle. Schneller als ein Flugzeug und mit dem Komfort eines ICEs soll das futuristische Transportsystem Kapseln mit knapp Schallgeschwindigkeit durch nahezu luftleere Röhren schießen. Dafür verbraucht die überdimensionierte Rohrpost deutlich weniger Energie als andere Fernverkehrsmittel, da sie in den Quasi-Vakuumröhren auf verschwindend geringen Luftwiderstand trifft, und die Magnetschwebetechnik die Reibung auf ein Minimum begrenzt.

Hyperloop-Wettbewerb mit klarem Sieger

Damit sich die Vision möglichst schnell in Realität verwandelt, lobt der Tesla-Gründer seit 2015 für Universitäten und freie Teams die „SpaceX Hyperloop Pod Competition“ aus. Diese haben nun in der Nacht von Sonntag auf Montag in der Nähe von Los Angeles Studierende der TU München (TUM) zum vierten Mal in Folge für sich entschieden. Ihr Pod-Prototyp glänzte dabei mit einer Höchstgeschwindigkeit von 463,5 km/h. Die Strecke München – Hamburg wäre bei dem Tempo in eineinviertel Stunden zu schaffen. Damit raste die Kapsel des TUM-Teams beinahe doppelt so schnell durch dieRöhre als die der Zweitplatzierten.

Bavaria im Geschwindigkeitsrausch

Mittlerweile ist der Hyperloop auch im bayerischen Raumfahrtprogramm „Bavaria One“ angekommen. Ein Konsortium aus Wissenschaftlern und Unternehmen sucht derzeit eine geeignete Teststrecke. Und bereits in den nächsten fünf Jahren könnte die erste „Turbo-Rohrpost“ zum Beispiel Flugreisende von der Innenstadt zum Flughafen katapultieren.

Auch aus Bayern kommt der Halbleiterhersteller Infineon. Er liefert wesentliche Teile für die Elektronik des TUM-Pods. So regeln etwa 288 Leistungshalbleiter für die Ansteuerung der acht Elektromotoren mit Tausenden von Schaltvorgängen pro Sekunde den Stromfluss und sorgen so für blitzschnell wechselnde Magnetfelder. Außerdem überwachen insgesamt 24 Sensoren von Infineon die Rotorstellung in den Motoren, um eine präzise Taktung der Schaltvorgänge zu gewährleisten. Weitere 112 Leistungskomponenten stecken in den Batterie-Hauptschaltern. Sie erlauben bei Wartungsarbeiten oder Unfällen die Abschaltung innerhalb von Sekundenbruchteilen.

Holland mit erstem Hyperloop

Das erste funktionierende Hyperloop-System kommt allerdings aus den Niederlanden. Dort hat nach zweijähriger Entwicklungsarbeit das Startup Hardt in Delft ein dreißig Meter langes, gerades Teilstück mit allen nötigen Kernelementen vorgestellt. Dabei sind die Kapseln mit der sogenannten Hyperloop-Lane-Switch-Technik (HLS) in der Lage die Spur selbst bei hoher Geschwindigkeit zu wechseln. Und das gänzlich ohne bewegliche Teile. So werden auch verzweigte Streckennetze möglich.

Bis 2021 soll im Rahmen des zukünftigen Forschungs- und Entwicklungszentrums „European Hyperloop Center“ eine drei Kilometer lange Strecke entstehen. In der längerfristigen Vision verbindet dann ein rund 10.000 Kilometer langes Streckennetz ganz Europa. Mit an Bord sind Schwergewichte wie Royal BAM Group, Tata Steel, Royal ICH und Continental. Die Deutsche Bahn hält mit ihrer Division DB Engineering & Consulting sogar eine Beteiligung an Hardt.

Parallel zum niederländischen Start-up baut bei Toulouse das US-Unternehmen HyperloopTT eine 320 Meter lange Teststrecke. Die fünfzehn Meter lange und fünf Tonnen schwere Kapsel dafür („Quintero One“) wurde bereits im Oktober letzten Jahres vorgestellt.

 

 

 

Hyperloop (Bild: Hardt).

Hyperloops sollen zukünftig energiesparend Europa verbinden. (Bild: Hardt).