Ingenieurarbeitsmarkt: Abkühlung auf hohem Niveau

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Mit Verzögerung kommt die konjunkturelle Delle auch beim Stellenmarkt für Fachkräfte an. Welchen Einfluss die gesamtwirtschaftliche Großwetterlage aber tatsächlich auf Ingenieure hat, zeigen zwei aktuelle Studien.

Mit der Automobilindustrie trifft die derzeitige Wirtschaftskrise eine der volkswirtschaftlich wichtigsten Branchen in Deutschland. Ein Teil der rund eine Million Arbeitsplätze wird verloren gehen. Betroffen sind dabei auch technische Fach- und Führungspositionen bei Herstellern und Zulieferern.

Ingenieurarbeitsmarkt
Die Zahl der Stellenangebote für Fachkräfte zeigte sich im 3. Quartal 2019 deutlich rückläufig. (Bild: Hays).

So hat etwa der Nachfragerückgang bei Ingenieuren schon zu Jahresbeginn begonnen. Und im dritten Quartal sank dann der Personalberatung Hays zufolge die Zahl der entsprechenden Stellenangebote um ca. 15 Prozent. Der Trend gilt allerdings nicht nur für die Automobilindustrie. Einen regelrechten Absturz erlebt nach Hays die IT-Branche. Stark von dieser Entwicklung betroffen sind die zahlenmäßig am häufigsten nachgefragten Entwicklungs-, Automatisierungs- und Elektroingenieure.

Der VDI-/IW-Ingenieurmonitor 3. Quartal 2019 kommt zu ähnlichen Resultaten. Das Minus von 4,9 Prozent bei der Arbeitskräftenachfrage für das dritte Quartal 2019 im Vergleich zum Vorjahresquartal ist ein deutliches Anzeichen für die konjunkturelle Abkühlung. Dabei erreichten im ersten Quartal dieses Jahres bundesweit 1.273.671 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Ingenieur- und Informatikerberufen sogar noch einen neuen Beschäftigungsrekord – knapp ein Viertel mehr als im Vergleichsquartal 2013.

Ingenieurarbeitsmarkt auf hohem Niveau

Insgesamt liegt die Nachfrage allerdings weiter auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Im dritten Quartal waren monatsdurchschnittlich immerhin über 124.000 offene Stellen zu besetzen. Und da die Ingenieurarbeitgeber ihr Stammpersonal in der Regel halten und manche von ihnen nur vorübergehend auf Neueinstellungen verzichten, dürfte dieses Problem zur Zeit vor allem jüngere Ingenieur*innen mit auslaufenden Projektverträgen sowie Berufseinsteiger*innen betreffen.

Ingenieurarbeitsmarkt
Hays-Fachkräfte-Index Deutschland – Engineering nach Branchen. (Bild: Hays)

Was die betroffenen Berufskategorien angeht, stellt sich der Ingenieurarbeitsmarkt sehr heterogen dar. Produktionsnahe Qualifikationen wie etwa Ingenieurberufe in der Metallverarbeitung erleben weiterhin einen spürbaren Nachfragerückgang, während für bau- oder dienstleistungsnahe Qualifikationen das Gegenteil zutrifft. Der anhaltende Bauboom und die Dynamik der Digitalisierung üben entsprechend positive Impulse aus; die momentane Krise der klassischen Industriebranchen hingegen negative.

So bilden die Informatikerberufe dem VDI-Ingenieurmonitor zufolge im dritten Quartal 2019 mit monatsdurchschnittlich 43.580 offenen Stellen den Löwenanteil bei den Ingenieurberufen. Gesucht werden insbesondere Schnittstellenkompetenzen von IT und Elektrotechnik. In den Bereichen Maschinen- und Fahrzeugtechnik sowie Energie- und Elektrotechnik waren zusammengenommen 29.490 Vakanzen gemeldet, was einem rückläufigen Anteil von rund 24 Prozent des Gesamtstellenangebots in den Ingenieur- und Informatikerberufen entspricht.

Im Vergleich zum Vorjahresquartal verzeichnen auch insbesondere die Berufskategorien Maschinen- und Fahrzeugtechnik sowie die Technische Forschung und Produktionssteuerung einen Rückgang bei der Arbeitskräftenachfrage. Das spiegelt die leichte Eintrübung in der Automobilindustrie und im Maschinenbau wider.

 

Der vollständige VDI-/IW-Ingenieurmonitor ist kostenfrei downloadbar.

Der Hays Fachkräfteindex 3/2019 ist kostenfrei downloadbar.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fachkräfte (Bild: pixabay/Gerd Altmann)

Der Abschwung macht sich bei fast allen Ingenieurberufen bemerkbar. (Bild: pixabay/Gerd Altmann).