50 Jahre electronica – Rückblick auf eine Erfolgsgeschichte

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Martin Luther King erhält den Friedensnobelpreis, IBM bringt seine erste elektrische Schreibmaschine mit Textspeicher auf den Markt. 1964 ist aber auch das Jahr, in dem die electronica in München erstmals ihre Pforten öffnet. Zeit für einen Rückblick.

Die Fachausstellung für elektronische Bauelemente sowie die dazugehörigen Mess- und Fertigungssysteme wurde ursprünglich von amerikanischen Unternehmen ins Leben gerufen. Sie wollten auf dem prosperierenden und lukrativen deutschen Elektronikmarkt von Anfang an dabei sein. Heute, 50 Jahre später, ist die electronica die weltweit größte und bedeutendste Leitmesse für Komponenten, Systeme und Anwendungen der Elektronik.

Ein halbes Jahrhundert Messegeschichte bietet Gelegenheit, zurückzublicken auf die Meilensteine der vergangenen 50 Jahre und den Blick nach vorn zu richten – auf Innovationen der diesjährigen electronica vom 11. bis 14. November in München. Denn ohne frühere Entwicklungen ist die Zukunft nicht denkbar: So wurden auch die Grundlagen für zwei der diesjährigen Schwerpunktthemen – Automotive und Lighting – bereits auf einer der ersten Messen in den 70er Jahren gelegt. Firmen wie International Rectifier oder Bourns haben schon damals Technologien vorgestellt, die als Weiterentwicklungen heute selbstverständlich sind: Zum Beispiel optimierte Drehmomentsensoren für Servolenkungen oder noch effizientere Halbleiter in modernen LED. Man darf also schon heute gespannt sein, welche Neuheiten der diesjährigen electronica im Jahr 2064 unseren Alltag erleichtern werden.

Erfolg von Anfang an, trotz schwierigem Umfeld

electronica 1964
electronica 1964

Die electronica hatte zu Beginn keinen leichten Stand, unter anderem fehlte die Unterstützung von deutschen Verbänden. Dennoch entwickelte sie sich schon in den ersten Jahren zum Magnet für Besucher und Aussteller aus ganz Europa, den USA, Japan oder der damaligen Sowjetunion. Die Ausstellungsfläche war komplett belegt, Spätentschlossene bekamen nur noch Vitrinen, aber keine Stände mehr. Deutsche Großunternehmen standen der Veranstaltung zunächst skeptisch gegenüber und blieben der Messe fern. Einige schickten lediglich Beobachter, um sich über die Neuheiten der internationalen Konkurrenz informieren zu lassen. Aber auch sie mussten schließlich einsehen, dass die electronica die richtige Idee zur richtigen Zeit war und das Konzept dieser fortschrittlichen Branchenschau aufging. Das zeigte sich spätestens mit der zweiten Veranstaltung 1966. Die Ausstellungsfläche verdoppelte sich nahezu, ebenso wie die Stände und die Zahl der ausstellenden Unternehmen.

Wachsende Aussteller- und Besucherzahlen
Selbst kühnste Optimisten konnten mit diesem enormen Erfolg der Messe, die seit ihrer Gründung jedes zweite Jahr stattfindet, nicht rechnen: Von 1964 bis 1974 verzehnfachte sich nicht nur die Zahl der Aussteller, auch die Zahl der Besucher stieg sprunghaft an – von 13.000 auf mehr als 73.000. Die electronica entwickelte sich rasant zu der Bühne, auf der eine extrem dynamische Branche Gelegenheit hatte, ihre technischen Innovationen erstmals der Öffentlichkeit zu präsentieren. Diese trugen maßgeblich zu den wichtigsten Erfindungen der Elektronikindustrie in den 60er und 70er Jahren bei, zum Beispiel zur Floppy Disk 1969, den ersten Mikroprozessoren Anfang der 1970er Jahre und zum Bildschirmtext 1977.

 

Erfolgreiche Ableger LASER World und productronica

Erfolgreich aus der electronica hervorgegangen - die productronica.

Das enorme Wachstum der Messe führte dazu, dass einzelne Bereiche der Messe in neuen Strukturen aufgingen. Aus der electronica wurden schließlich zwei weitere Branchenhighlights ausgegliedert – 1973 die LASER World of PHOTONICS, die heutige Weltleitmesse der Laser- und Photonik-Industrie, sowie zwei Jahre später die productronica, die weltweit größte Messe für innovative Elektronikfertigung, die heute immer in dem Jahr stattfindet, in dem die electronica pausiert. Der Popularität der electronica tat diese Entwicklung keinen Abbruch, ganz im Gegenteil: Das Münchener Messegelände an der Theresienwiese stieß mit den Jahren immer stärker an seine Kapazitätsgrenzen. Ein neues Messegelände musste her – 1987 stimmten Stadt und Freistaat schließlich dem Neubau auf dem frei werdenden Flughafenareal in Riem zu. Nach dem Umzug 1998 fühlte sich der globale Branchentreff der Elektroindustrie auch an seinem neuen Standort schon bald zuhause – und präsentierte auch weiterhin spannende Neuheiten wie die vollautomatisch bestückbare Lichtleiter mit integrierter SMD-LED von Mentor im Jahr 2000.

 

Das neue Jahrtausend – Aufbruch in neue Sphären
Die zusätzlichen Hallen waren aber nur der erste Schritt, mit dem die Veranstalter der steigenden Bedeutung der Messe Rechnung trugen. Zu Beginn des neuen Jahrtausends folgte eine noch stärkere Internationalisierung der gesamten Messe München und damit auch der electronica. Die Messe wurde zum Exportschlager – als Ableger entstanden im Jahr 2000 die electronica India und zwei Jahre später die electronica China. Damit zeigt sich auch der Erfolg der weitsichtigen Strategie, trotz der positiven Entwicklung in Deutschland stets auch neue Märkte im Blick zu behalten. Um immer am Puls der Zeit zu sein und rechtzeitig auf aktuelle Trends reagieren zu können, besitzt die Messe seit jeher einen Fachbeirat, in dem verschiedene Firmenvertreter aus der Branche mitarbeiten. So gelingt es der electronica mit der Entwicklung des Marktes Schritt zu halten und die eigenen Strukturen daran anzupassen.

Herausforderungen durch die Wirtschafts- und Finanzkrise
Trotz ihrer beispiellosen Erfolgsgeschichte musste auch die electronica in ihrer 50-jährigen Geschichte schwierige Phasen überstehen. Zu den größten Herausforderungen zählte mit Sicherheit die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise, die Ende der 90er Jahre die Märkte erschütterte. Dank ihres Fokus auf die gesamte Branche der Mikroelektronik und der enormen Bandbreite internationaler Aussteller, gelang es der Weltleitmesse, auch diese schwierige Zeit erfolgreich zu meistern. Die wirtschaftliche Erholung seit 2010 hat dazu geführt, dass die gesamte Branche wieder positiver in die Zukunft blickt. Davon profitiert auch die electronica: Zur Veranstaltung in 2012 kamen 73.051 Fachbesucher aus 79 Ländern und 2.669 Aussteller aus 49 Ländern.

1964 Plakat electronica-1

Die erste electronica fand von 21.-28. Oktober 1964 in München statt.