Halbleiterbranche auf Brautschau

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Die Halbleiterbranche ist weiter im Hochzeitsfieber. Intel legt 16.7 Milliarden US-Dollar in bar für Altera – die Nummer zwei auf dem FPGA-Markt – auf den Tisch.

Vor einem Monat waren die Verhandlungen mit Altera noch gescheitert. Jetzt vollzieht Intel mit der Übernahme der Nummer zwei bei Field-Programmable Gate Arrays (FPGAs) den teuersten Einkauf seiner Geschichte und betritt einen völlig neuen Markt.

Die Halbleiterbranche setzt damit den Konzentrationsprozess fort. Erst Ende Mai ging der bislang größte Deal über die Bühne: Avago Technologies übernahm für 37 Milliarden Dollar Broadcom, den Experten für drahtlose Chips. Und vor wenigen Monaten eröffneten die Halbleiterhersteller NXP und Freescale sowie Silicon Image und Lattice Semiconductor den diesjährigen Hochzeitsreigen.

Unterstützung für Moore’s Law

Nach Intels Übernahme soll der erheblich kleinere Halbleiter-Produzent Altera als eigene Geschäftseinheit weiter existieren. Selbst ARM-basierten SoCs (System-on-Chip) bleiben im Programm. Die größten Synergieeffekte erwartet Intel jedoch von der Vermählung seiner Prozessoren mit programmierbarer Logik. Das Gespann bewältigt schon länger gemeinsam Aufgaben in Datenzentren und Kommunikationsinfrastrukturen. Die Prozessoren übernehmen dabei die Steueraufgaben und die FPGAs verarbeiten große Datenmengen parallel. Dazu können sie für jede Aufgabe nachträglich „maßgeschneidert“ werden.

Der CEO von Intel, Brian Krzanich, verspricht sich von der Übernahme Produkte mit steigender Leistung und fallenden Kosten. So würde auch Moore´s Law seine Gültigkeit noch eine Zeitlang behalten. Letztlich sollen dann integrierte Chips mit FPGAs von Altera und Intels Prozessoren völlig neue Produkte für die Bereiche Server, Embedded Systems und Internet of Things hervorbringen. Das ist auch nötig, um Intels stagnierendes PC-Geschäft zu kompensieren.

Mit Intels Rückenwind könnte Altera seinem Erzrivalen Xilinx Marktanteile abjagen. Nicht wenige erwarten da allerdings genau das Gegenteil. Schließlich kann bei Integrationen dieser Größenordnung eine Menge schief gehen. Für den blauen Chip-Giganten fallen die 2 Milliarden zusätzlicher Umsatz von Altera erst einmal kaum ins Gewicht. IHS erwartet jedoch, dass Intel mit Altera zumindest in der Liga der weltweit größten Halbleiter-Zulieferer vom vierten auf den zweiten Platz mit einem jährlichen Umsatzvolumen von knapp 2 Milliarden US-Dollar springt.

 

Intel Halbleiterbranche

Intel und Altera - die Halbleiterbranche ist in Hochzeitslaune. (Bild: Intel).