Preisverdächtige Chips

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Der Deutschen Zukunftspreis prämiert herausragende Forschungs- und Entwicklungsprojekte. Dieses Jahr liegen unter anderem auch lebensrettende Radarchips im Rennen.

Der Deutschen Zukunftspreis prämiert herausragende Forschungs- und Entwicklungsprojekte. Dieses Jahr liegen unter anderem auch lebensrettende Radarchips im Rennen.

Radar (Radio Detection and Ranging) ist eine sehr anspruchsvolle Technologie. Es sendet Radiowellen mit 77 Gigahertz (GHz) aus, die von Objekten reflektiert und nach verschiedenen Kriterien ausgewertet werden. Damit lassen sich in Fahrzeugen etwa adaptive Abstands- und Geschwindigkeitsregelung sowie Kollisionswarnung realisieren.

Das Prinzip ist ein gutes Jahrhundert alt. Den Durchbruch erlebte die Radartechnik allerdings erst während des Zweiten Weltkrieges. Danach gehörte es im „Tower“ sowie an Bord von Flugzeugen und Schiffen zur Standardausrüstung.

Den Weg ins Automobil fanden Radaranwendungen erst Ende der achziger Jahre. Im Gegensatz zu optischen Systemen funktionieren sie hier nahezu bei jeder Witterung, Tag und Nacht. Und das nicht mehr nur in der Oberklasse. Auch die Kompakt- und Kleinwagenklasse soll in den Genuss von Radarsystemen kommen. Fallende Preise sind dafür die Voraussetzung.

Infineon entwickelte als weltweit erstes Unternehmen hochintegrierte Schaltkreise für den Standard-Frequenzbereich von 77 GHz, die auf Silizium (Si) und Silizium-Germanium (SiGe) basieren – statt auf dem zuvor üblichen Gallium-Arsenid (GaAs). Das führte zu deutlich niedrigeren Produktkosten. Dazu ermöglicht der Einsatz einer neuen Gehäusetechnologie (embedded Wafer-Level Ball Grid Array, eWLB) bei sehr guten Hochfrequenzeigenschaften eine einfache Weiterverarbeitung der Chips beim Hersteller von Radarsystemen. Dadurch lassen sich die Systemkosten des Autoradars nochmals erheblich senken.

Zwei technologische Innovationen also, die für die Sicherheitssysteme den Weg in den Automobil-Massenmarkt ebnen und die Zahl der Toten und Schwerverletzten im Straßenverkehr weiter senken werden. Grund genug, um für die Endrunde zum Deutschen Zukunftspreis 2015 nominiert zu werden.

Radarchips gegen den toten Winkel

Neben 77-GHz-Radarchips für aktive Sicherheitssysteme bietet Infineon auch solche im 24-GHz-Frequenzbereich für Entfernungen bis zu 100 Metern. 24-GHz-Radarchips helfen bei der Überwachung des toten Winkels. Mit ihnen warnt das Radarsystem beim Überholen oder Spurwechsel vor nachfolgenden Fahrzeugen. Beim Rangieren registriert es rückseitigen Querverkehr und kann so Zusammenstöße verhindern.

Erst im Juli 2015 hatte Infineon die Auslieferung des zehnmillionsten Radarchips für Automobile gemeldet. Schon in einem Jahr sollen die nächsten 10 Millionen auch in Mittelklasse- und Kleinwagen im Einsatz sein. Alle Prozess-Schritte von der Chipfertigung bis zur Verarbeitung im Gehäuse erfolgen in Infineon-Werken in Regensburg und Dresden.

http://www.infineon.com

a-Collision-Prevention-Assist

Der Collision Prevention Assist von Daimler kombiniert eine radargestützte Abstandswarnung, Bremsunterstützung durch den Adaptiven Bremsassistenten sowie eine autonome Teilbremsung. (Bild: Daimler).