Genügsamer Supercomputer für vollautonomes Fahren

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Der Unfalltod eines Tesla-Fahrers und die Allianz mit BMW und Intel haben das israelische Start-up Mobileye an die Öffentlichkeit gezerrt. Dabei ist es schon länger für viele Fahrzeughersteller einer der wichtigsten Lieferanten für Fahrerassistenz-Technologie.

Mit einem intelligenten Kamerasystem samt Chip und Software hat es Mobileye zum Marktführer auf dem Gebiet optischer Fahrerassistenzsysteme gebracht. Das Prinzip ist schnell erklärt: Eine Kamera misst den Abstand zu einem Hindernis und der Prozessor errechnet anhand der Geschwindigkeit, wann es zum Aufprall kommen würde. Alarmsignale machen dann den Fahrer auf die Gefahr aufmerksam.

Was sich so einfach anhört, erfordert eine Menge Know-how. Das eignete sich Amnon Shashua, der Gründer von Mobileye, während seiner Militärdienstes in der israelischen Armee an. Ein nicht unüblicher Start für eine israelische High-Tech-Schmiede.

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Zusammen mit STMicroelectronics wurde dann erstmals 2005 die EyeQ-Technologie in Silizium gegossen. Das Interesse seitens der Fahrzeughersteller ließ nicht lange auf sich warten. Mittlerweile gehört Mobileye-Technologie in den USA, Europa und Japan zur Standardausrüstung. Neben BMW, General Motors und Volkswagen oder Volvo zählt auch Tesla zu den Partnern. Der Fahrzeughersteller sorgte allerdings vor kurzem für die erste Negativ-Schlagzeile.

Der Tesla „Model S“ stieß im Mai diesen Jahres mit einem Lastwagen-Anhänger zusammen, der die Fahrbahn überquerte. „Weder Autopilot noch Fahrer erkannten die weiße Seite des Anhängers vor dem Hintergrund des hellen Himmels, und die Bremse wurde nicht betätigt“, konnte man im Tesla-Blog lesen. Gleichzeitig betonte der kalifornische Hersteller, dass sich die neue Technologie in der Beta-Phase befinde, und der Fahrer ausdrücklich dazu aufgefordert werde, die Hände niemals vom Steuer zu nehmen.

Vollautonomes Fahren nicht bei Querverkehr

Mobileye erklärte zum Crash, dass der Notbremsassistent aktuell nur für vorausfahrende (Auffahrunfall), nicht aber für kreuzende Fahrzeuge, ausgelegt sei. Das soll erst 2018 behoben sein. 2020 wird dann mit dem EyeQ5 ein Chip die Informationen von 20 Sensoren auswerten können und komplett autonomes Fahren ermöglichen.

Dieses SoC (System-on-a-Chip) wird von STMicro in einer FinFET-Technologie mit Strukturmaßen von ≤10 nm hergestellt. Die Koppelung der acht Multithreading-Prozessorkerne mit den 18 Kernen der Bildverarbeitungsprozessoren von Mobileye verbessert die Leistung im Vergleich zum Vorgänger um den Faktor 8. Das Ergebnis: mehr als 12 TeraOps (12 Billion Operationen pro Sekunde) bei einer Leistungsaufnahme von unter 5 W.

Dieser Supercomputer mit geringer Verlustleistung und damit kosteneffizienter passiver Kühlung steckt dann wohl auch 2021 in dem von BMW angekündigten komplett selbstfahrenden Auto, das der erst kürzlich bekannt gegebenen Kooperation mit Intel und Mobileye „entspringen“ soll. Mit Blick auf den tragischen Unfall des Tesla-Piloten sagte Konzernchef Harald Krüger allerdings: „Das Ziel ist 2021 – aber Sicherheit geht vor.“

 

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Vollautonomes Fahren mit mobileye

Für vollautonomes Fahren benötigt das Auto Rundumsicht. (Bild: mobileye).