Industrie 4.0 ganz konkret

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An Veröffentlichungen zum Thema Industrie 4.0 fehlt es nicht gerade. Die Chancen sind groß, Risiken gibt es auch, und eigentlich führt kein Weg daran vorbei – so der Tenor. Wie aber mittelständische Unternehmen tatsächlich die ersten Schritte in Richtung „intelligente“ Produktion beschreiten können, das will jetzt eine neue Studie aufzeigen.

Vierzig Prozent der befragten mittelständischen Unternehmen (KMU) einer neuen Studie des Fraunhofer IPA haben angegeben, zwar von Industrie 4.0 gehört zu haben, aber aktuell noch keine Umsetzungsmaßnahmen durchzuführen. Da nach fast einhelliger Expertenmeinung eine intelligente, vernetzte Produktion aber „alternativlos“ ist, scheint erheblicher Bedarf an ganz konkreten technischen Handlungsempfehlungen zu bestehen.

Um einen hohen Praxisbezug zu gewährleisten, haben dreißig Experten aus Industrie und Forschung die Fragebögen der Studie von ca. 5000 Industrieteilnehmern interpretiert und diskutiert. Daraus konnten die brennendsten Fragen des Mittelstands zum Thema Industrie 4.0 herausgearbeitet und aufeinander aufbauende Entwicklungsfelder generiert werden.

„Trial and Error“ statt Strategie

Industrie 4 (Fraunhofer IPA)Die Auswertung ergab, dass vor allem unflexible IT-Systeme neue Marktanforderungen, wie etwa die steigende Anzahl an Produktvarianten, im Keim ersticken. Standardisierte Schnittstellen und Vernetzungsplattformen würden da Abhilfe schaffen.

Als weitere Hemmnisse kristallisierten sich die schlechte Planbarkeit, unklare Kundenanforderungen oder eine unzureichend genutzte bzw. nicht integrierte Datenbasis der bestehenden Produktion heraus.

Auch wurde ein Großteil der Produktions-IT-Systeme der Studie zufolge nach dem Trial-and-Error-Prinzip ausgewählt. Dringend nötig wäre hier die Entwicklung einer Gesamtstrategie mit der Bilanzierung der Lebenszykluskosten.

Maschinen mit digitaler Bindung

Nur wenn alle relevanten Bestandsmaschinen an ein Informationssystem angebunden sind, kann eine durchgängige, echtzeitnahe Datenbasis erzeugt werden. Erst dann lassen sich die Potenziale weiterer Entwicklungsfelder wie z. B. der automatisierten Fertigung personalisierter Produkte heben.

Besondere Bedeutung kommt hierbei die Entwicklung von Inline-Überwachungssystemen zur Sicherung der Prozessqualität zu. Gleichzeitig können Assistenzsysteme die Mitarbeiter unterstützen, ergonomisch optimal zu arbeiten und bessere Entscheidungen zu treffen.

Ziel ist aber immer der selbststeuernde Betrieb mit autonomer Optimierung. Dafür muss das Fertigungssystem so intelligent vernetzt sein, dass es anhand von Produktions- und Qualitätsdaten automatisiert Muster erkennt und sich fortlaufend selbst „verbessert“.

Industrie 4.0 mit Mehrwert-Tacho

Nicht alle Entwicklungsfelder der Industrie 4.0 glänzen mit einem überragenden Mehrwert für das Unternehmen. So schlägt etwa die Nadel des „Nutzentachos“ der Studie bei der reinen Digitalisierung noch nicht sehr stark aus, während sie bei Maßnahmen, die in Verbindung mit personalisierten Produkten und Assistenzsystemen für den Menschen stehen, schon deutlich in Richtung Höchstgeschwindigkeit geht.

Die Studie umfasst 76 Seiten und kann kostenlos angefordert werden bei: markus.bressner@ipa.fraunhofer.de


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