Vom iPhone zum „Eye Phone“

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Augmented Reality (AR) ist viel mehr als nur eine Brille, durch die man in eine andere Welt entschlüpft. Mit Gartner erwartet ein weltweit führendes Beratungsinstitut sogar, dass die Technologie zu einer grundlegenden Veränderung „menschlicher Gewohnheiten“ führen könnte.

Ist die virtuelle Wirklichkeit (VR) nun in der „echten“ angekommen? Wer dieser Tage durch Europas wichtigste Spielemesse Gamescom in Köln schlendert, wird die Frage bejahen. Unzählige Menschen mit überdimensionierten Taucherbrillen vollführen eigenartige Bewegungen, verloren oder aufgehoben in digitalen Räumen. Lange haben sie auf die VR-Brillen gewartet. Jetzt sind sie da: die HTC Vive und Facebooks Oculus Rift, im Oktober folgt Sonys Playstation VR. Von einem Massenmarkt kann aber trotzdem nicht die Rede sein. Noch nicht.

Ob daran nun die hohen Preise schuld sind, kann bezweifelt werden. Vielmehr haben die ersten kommerziell erhältlichen Geräte einer neuen Technologie bislang nur höchst selten aus dem Stand einen Massenmarkt ausgelöst. Etwas Geduld wäre also angebracht.

bei Audi können Kunden erstmals ihr Wunschauto über eine Virtual Reality-Brille konfigurieren. (Bild: Audi).
Bei Audi können Kunden erstmals ihr Wunschauto über eine Virtual-Reality-Brille konfigurieren. (Bild: Audi).

In der Zwischenzeit wird auch abseits der Spielhallen an VR-Lösungen gearbeitet. So werden VR- und AR-Brillen zunehmend in Simulationssoftware integriert, um vorab Anlagen und Produktionsstraßen virtuell in Betrieb zunehmen. Und bei Audi lassen sich noch dieses Jahr die Wunschkarossen über VR-Brillen in der „Audi City“ konfigurieren. Auch die Markteinführung der neuen Mini-Generation ging schon virtuell vonstatten. Mit 40 000 verteilten VR-Aufsteckgestellen für das Smartphone konnte man die Minis „körperlos“ umrunden. Überhaupt erweist sich VR als ideales Marketing-Tool. Macht doch das vollständige Eintauchen (Immersion) in eine Welt die Kunden empfänglicher für Werbebotschaften. So zumindest die Theorie.

Das echte Leben im falschen

Dieses vollständige Eintauchen sehen aber viele mittlerweile als begrenzenden Faktor, was den zukünftigen Stellenwert der Technologie angeht. Eine wirklich eingreifende Veränderung traut man eher „gemischten“ Realitäten wie der Augmented (AR) und Merged Reality zu. Erstere reichert das Reale mit Virtuellem an, bei der anderen ist es genau umgekehrt.

Neben Datenbrillen wie etwa Googles Glass sind auch Smartphones mit GPS, Bewegungssensoren und Internet-Zugang die perfekten Geräte dafür. Damit lassen sich etwa ganz einfach virtuelle IKEA-Möbelstücke über den Handybildschirm im realen Wohnzimmer platzieren.

Augmented Reality Forecast (Image: Digi-Capital)Unabhängig von solchen Einzellösungen sieht mittlerweile eine Reihe von Marktbeobachtern und – teilnehmern wie etwa Facebooks Zuckerberg oder die Beratungsgesellschaft Digi-Capital in der Augmented-Reality-Hardware sogar die „Computing-Plattform der Zukunft“. Bis 2020 schätzen die Analysten das Umsatzpotential für den VR/AR-Markt auf 120 Milliarden Dollar. Der Löwenanteil von 90 Milliarden Dollar fällt dabei der Augmented Reality zu. MarketsandMarkets prognostiziert in einer neue Studie für den mobilen Augmented-Reality-Markt bis 2022 einen Umsatz von 80 Milliarden Dollar. Und Juniper Research erwartet im Jahr 2018 mehr als 200 Millionen Nutzer von AR-Apps auf Smartphones und Tablets.

Augmented Reality wird „Intel Inside“

Bei den Aussichten verwundert es nicht, dass auch Intel das Spielfeld betreten hat. Mitgebracht hat der Chip-Riese „Alloy“ – eine Datenbrille, die fest in der Wirklichkeit verankert ist, mit Mikrophonen, Sensoren und Intels 3D-Kameratechnologie „RealSense”.

Bei Intel heisst das „merged reality“. Kommen dem Brillenträger Gegenstände oder Menschen in die „Quere“, werden sie Teil seiner digitalen Welt. So kann man gemeinsam spielen, aber auch arbeiten. Und das frei im Raum ohne hinderliche Kabel oder zusätzliche Computer. Das gesamte Tracking findet ausschließlich im Headset statt. Neuland betritt Intel damit allerdings nicht. Vetreibt doch die Tochter Recon Jet bereits eine AR-Brille für sportliche Aktivitäten.

Alloy läuft zukünftig auf der Windows Holographic-Plattform, auf der Microsoft auch seine eigene Brille „Hololens“ betreibt. Die bereichert allerdings im Gegensatz zu Intels Alloy die analoge Welt mit zusätzlichen digitalen Informationen. Um dem Vorhaben genügend Nachdruck zu verleihen, wird Holographic per Update in Windows 10 integriert.

Anfang 2017 können Hardware-Partner dann eigene Versionen auf den Markt bringen. Und sollten HP, Dell und Co. die neue „Computerplattform“ Alloy vertreiben, könnte es wie in den neunziger Jahren laufen, als Windows-PCs mit Intel „inside“ die Welt eroberten.

 

Sony Playstation VR

So viel Gesicht sieht man bei aktuellen VR-Brillen leider nicht. (Bild: Sony).