Serviceroboter: „Emotionale“ Blech-Butler

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Autonome Staubsauger oder Rasenmäher würden viele Menschen nicht einmal als Roboter bezeichnen. Was ihre steigende Beliebtheit nicht bremsen kann. Die nächste Generation rollender „Raumpfleger“ kommt da allerdings unseren Science-Fiction-Visionen schon erheblich näher.

Die allermeisten Serviceroboter werden auch die nächsten Jahre mehr oder weniger unförmige elektrische Heinzelmännchen sein, die saugen, den Rasen mähen oder den Grill schruppen. Nach einer gerade veröffentlichten Studie des Welt-Roboter-Verbandes IFR (International Federation of Robotics ) steigt ihre Zahl bis zum Jahr 2019 auf weltweit 31 Millionen bei einem Verkaufswert von 13 Milliarden US-Dollar. Dabei liegt der Marktanteil der Staubsauger und Bodenreiniger bei 96 Prozent, Rasenmäher und Pool-Reiniger folgen weit abgeschlagen auf den Rängen zwei und drei.

Spielen und pflegen

Stark nach oben zeigt auch die Absatzkurve bei Spielzeugrobotern, ferngesteuerten Multimediarobotern oder Bildungs- und Forschungsrobotern für den privaten Gebrauch. Die 1,7 Millionen verkauften Einheiten im letzten Jahr sollen bis 2019 auf insgesamt elf Millionen anwachsen. Spielzeug- und Hobbyroboter machen dabei 70 Prozent aus.

„Nichtmenschliche“ Unterstützer für ältere oder behinderte Menschen wie etwa der 4.500 US-Dollar teure Fütter-Roboter Obi der US-amerikanischen Firma Desin rangieren mit lediglich 4.700 verkauften Stück noch unter Rarität. Immerhin sorgen geringe Niveaus meist für imposante Steigerungen – 34 Prozent von 2014 auf 2015. Von 2016 bis 2019 sollen dann 37.500 abgesetzte Geräte schon 97 Millionen US-Dollar Umsatz generieren.

Serviceroboter machen große Augen

Vielleicht ist das auch konservativ geschätzt. Hat doch erst letzte Woche das japanische Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (Meti) für 2020 zum „Welt-Roboter-Gipfel“ eingeladen, um die Anwendung moderner Robotertechnologien in der Gesellschaft zu fördern.

Geht es nach der japanischen Regierung, wird die schon vor einigen Jahren ausgerufene „Roboter-Revolution“ die dauerfleißigen Helfer in der japanischen Gesellschaft installieren und so das Land zur führenden Roboter-Nation machen. Der Markt für Serviceroboter soll sich dabei bis 2020 auf 1,2 Billionen Yen (etwa 10 Milliarden Euro) verzwanzigfachen.

Und man denkt nicht nur an überdimensionierte Diskusse, die zwischen Stuhlbeinen nach Staub wuseln. Neue Generationen von intelligenten Robotern werden deutlich mehr Aufgaben „intelligenter“ erledigen. Im roboterverrückten Japan stößt man da auf breite Zustimmung.

Pepper, Zenbo und Co.

Die Initiative trägt auch bereits Früchte. „Softbank Robotics“ – eine Tochter des führenden japanischen Telekommunikations- und Medienkonzerns Softbank hat bereits eine Reihe praxiserprobter Service-Roboter im Angebot. Der bekannteste hört auf Pepper und wurde gemeinschaftlich mit dem französischen Unternehmen Aldebaran Robotics SAS (mittlerweile zu 95% Prozent in der Hand von Softbank) entwickelt. Mit seinen knapp 1.20 Metern „rollt“ er nicht nur problemlos durch die Gegend, eine ausgefeilte Sensorik und Kameratechnik lässt ihn auch menschliche Emotionen erkennen und passend darauf reagieren.

Mitte letzten Jahres konnte Softbank binnen einer Minute 1000 dieser humanoiden Roboter verkaufen. Kein Wunder, bei einem Preis von nur 1415 Euro. Dazu kommen allerdings monatlich rund 180 Euro für Cloud-Services und Garantieleistungen.

Noch widmet Pepper sich hauptsächlich Business-Aufgaben. Mittlerweile auch außerhalb Nippons. In Taiwan, aber ebenso in Europa sorgt er als Verkaufsassistent, Produkt-Promoter oder Empfangsdame schon für gute Stimmung.

Aus Taiwan kommt neuerdings Konkurrenz für Pepper. Der Computer-Gigant ASUS schickt seinen Zenbo-Roboter allerdings in die Haushalte. Für gerade einmal 599 US-Dollar liest er dort Geschichten vor, hilft in der Küche und begleitet Rentner im Ruhestand. Auch er folgt wie viele japanischen Modelle mit seinen riesigen Augen und fast kindlichem Äußeren dem ästhetische Konzept von „kawaii“ (jap. für liebenswert, niedlich oder auch attraktiv).

Verschlafenes Deutschland?

Hierzulande verschläft man den Trend. So jedenfalls lautet der Vorwurf der Expertenkommission Forschung und Innovation (Efi). Die Forderung: Mehr politische Aufmerksamkeit für Serviceroboter. Schließlich soll sie die Industrierobotik hinsichtlich des globalen Marktvolumens spätestens 2025 eingeholt haben.

An vielen Hochschulen und Forschungsinstituten wird allerdings schon lange an dem Thema gearbeitet. Der Sprung in die Anwendung fehlt jedoch. Zum einen scheint dafür zwischen Akademie und Industrie eine zu große Lücke zu klaffen, zum anderen lassen sich wirklich nützliche Funktionen noch nicht zu wettbewerbsfähigen Preisen realisieren.

Immerhin gibt es den vom Fraunhofer IPA entwickelten modularen, beinahe menschenähnlichen Roboterassistenten Care-O-bot, der in seiner vierten Generation bereits bei geringen Stückzahlen kostengünstig gefertigt werden kann. Seine Erbauer beschreiben ihn als zuvorkommend, freundlich und sympathisch. Er soll aber auch mit dem Besen umgehen können. Was will man mehr. Seit ein paar Wochen begrüßt er als Roboter „Paul“ die Kunden im Saturn-Markt Ingolstadt und führt sie zum gewünschten Produkt.

 

 

Serviceroboter Pepper von Softbank. (Bild: Aldebaran).

Gemütliches Frühstück mit dem Serviceroboter Pepper von Softbank. (Bild: Aldebaran).