Intel kauft Mobileye: Milliardendeal für autonomes Fahren

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Dem Bildverarbeitungsspezialisten Mobileye aus Israel waren viele auf den Fersen. Intel machte jetzt das Rennen. Allerdings sind 15,3 Milliarden Dollar für einen Mittelständler nicht gerade ein Schnäppchen.

Brancheninsider rieben sich erst einmal die Augen: Über 15 Milliarden Dollar für einen ökonomischen Zwerg mit knapp 360 Millionen Dollar Umsatz? Noch vor knapp zwei Jahren bekam Intel für eine ähnliche Summe (16,7 Milliarden Dollar) mit Altera die Nummer zwei bei Field-Programmable Gate Arrays (FPGAs). Umsatz knapp 2 Milliarden Dollar.

Mobileye spielt allerdings technologisch in der absoluten Champions League. Seine Kameras mit den EyeQ-Chips stecken mit Ausnahme von Daimler (Continental) und Toyota (Inhouse) in den Assistenzsystemen fast aller Automobilmarken weltweit. Das 1999 von Ziv Aviram und Amnon Shashua gegründete israelische Unternehmen gilt damit als der Know-how-Träger für die wichtigste automobile Zukunftstechnologie – dem autonomen Fahren.

Auch das Vorzeige-Elektromobil Tesla Model S war mit Mobileye-Technologie unterwegs. Zu früh, aus Sicht der Gründer. Nach einem tödlichen Unfall im Frühjahr 2016 kündigten sie die „rufschädigende“ Zusammenarbeit mit Tesla.

Technologie-Riese Mobileye

„Man wolle enger mit Herstellern zusammenarbeiten und nicht mehr nur Zulieferer sein“, hörte man damals aus Jerusalem. So entwickelt man seit letztem Jahr mit Intel und BMW an vollständig autonomen Fahrzeugen. Der bayrische Autohersteller will selbstfahrende Vehikel bis 2021 auf die Straße bringen. Erste Tests mit vierzig 7er-Modellen sollen im zweiten Halbjahr in Europa und den USA starten. Bis 2021 könnten dann „Autonome“ auf öffentlichen Strassen rollen.

Mobileye liefert dabei Kameras und Sensoren für die Erfassung der Umgebung. Die Musik macht allerdings erst der EyeQ-Chip mit seinen Algorithmen. Er steuert die Elektronik, bremst, um Unfälle zu verhindern und verbindet Kartendaten mit Sensordaten. Die nächste Version für bis zu acht Kameras wird 2018 erwartet. Komplett autonomes Fahren erlaubt dann erst der EyeQ-5 mit der Auswertung von mehr als 16 Sensoren, darunter Radar und LIDAR (Light detection and ranging). Er soll auf der im Embedded-Markt weit verbreiteten MIPS-Technologie (Microprocessor without Interlocked Pipeline Stages) von Imagination Technologies basieren. Wie bei den Vorgängern mischt auch STMicroelectronics mit seiner Erfahrung in Automotive-tauglichen Designs wieder mit. So jedenfalls die Ankündigungen vor dem Kauf durch Intel.

Datenkrake Roboter-Fahrzeug

Nach dem Kauf von Mobileye wird wohl Intel den EyeQ5 in einem 10nm-FinFET-Technologie oder darunter produzieren. Offen ist dabei allerdings, ob MIPS-Kerne überhaupt mit dessen Fertigungsprozessen kompatibel sind.

Intel sieht sich nach eigenen Aussagen sowieso vielmehr als Verbindungsglied zwischen Autos, Cloud und IoT (Internet of Things). Bis 2020 sollen da täglich pro Fahrzeug immerhin 4 Terabyte Daten anfallen. Gute Aussichten für Rechenzentren und den Server-Chip Xeon also. Der Chip-Gigant schätzt den Gesamtmarkt um Hoch- und Vollautomatisierte Fahrzeuge bis 2030 auf 70 Milliarden Dollar. Eine große Chance, um das Verpassen der mobilen Revolution und den schrumpfenden PC-Absatz zu kompensieren.

So verleibte man sich denn auch in den letzten Monaten „automobilnahe“ Unternehmen ein. Etwa Arynga mit einer CarSync-Software für Over-the-Air-Updates oder Yogitech mit Sicherheits-Tools für Fahrzeug-Chips. Beim Kauf von Itseez, die Computer-Vision-Algorithmen für die Implementierung in Embedded-Systemen entwickeln, unkte die Branche schon, ob sich Intel wohl als Konkurrent von Mobileye positionieren würde?

Das Thema ist ja nun vom Tisch. Intel’s Sparte für autonomes Fahren wandert komplett nach Jerusalem. Dabei wird Mobileye weniger in Intel integriert, als umgekehrt Intel’s Automated Driving Group (ADG) in den israelischen Mittelständler. So soll ein führendes Unternehmen im Bereich des autonomen Fahrens entstehen. Und das laut Intel-Chef Brian Krzanich nicht nur, um Intel voran zubringen, sondern auch zum Nutzen der Automobilindustrie und der Menschheit. Zumindest aber kann Intel jetzt mit Mobileye eine Menge Komponenten liefern, die für autonomes Fahren unabdingbar sind.

 

 

Autonomes Fahren (Bild: Mobileye)

Mit Mobileye will Intel jetzt beim autonomen Fahren mehr als nur ein Wörtchen mitreden. (Bild: Mobileye).