Endlich Batteriezellen „Made in Germany“

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Daimler hatte es vor Jahren schon einmal versucht – den Aufbau einer Zellfabrik in Deutschland. Warf aber 2015 das Handtuch. Die neue Holding TerraE wagt jetzt den nächsten Anlauf.

Erst vor ein paar Tagen wohnte Angela Merkel der Grundsteinlegung einer zweiten Akku-Fabrik von Daimler im sächsischen Kamenz bei. Etwa eine Milliarde Euro wollen die Schwaben als „treibende Kraft des Wandels“ hin zur Elektromobilität investieren. Ab 2018 sollen die ersten Batterien dann vom Band rollen. Die Akku-Zellen kommen allerdings nach wie vor aus Fernost, Gehäuse, Steuerungselektronik und Kühlung aus Kamenz. Nachdem man sich vor Jahren mit einer eigenen Zellproduktion schon einmal die Finger verbrannt hatte, bleibt der Autobauer bis auf weiteres bei dem Businessmodell ohne eigene Zellen. Auch wenn die Kanzlerin gerne „deutsche“ Batteriezellen sähe.

Mit gutem Grund: Immerhin macht die Batterie etwa ein Drittel der Wertschöpfung eines Elektroautos aus, davon wiederum beanspruchen die Zellen einen Anteil von 60 bis 70 Prozent. Und nicht zu vergessen: Auf dem Spiel steht die „Systemkompetenz und Zukunftsfähigkeit des Industriestandortes Deutschland“.

Viel Geld für Batteriezellen

Deswegen floß in den vergangen zehn Jahren gut eine Viertelmilliarde Euro an Fördergeldern in eine ganze Reihe von Projekten, um den Abstand zu Asien zu verringern. So etwa seit 2015 in das Verbundprojekt GIGA-LIB. Unter der Federführung der VARTA Microbattery GmbH arbeiteten die Unternehmen Manz AG, M+W Group, ThyssenKrupp System Engineering GmbH und das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung Baden-Württemberg (ZSW) an Fertigungsmethoden für eine modular aufgebaute Lithium-Ionen-Zellen-Produktion. Experten sind sich allerdings einig: Wer mit Zellen erfolgreich sein will, braucht einen langen Atem und Geld, viel Geld.

Beides scheint nun das neu gegründete Unternehmen TerraE Holding GmbH mit Sitz in Frankfurt am Main zu haben. Geplant ist der Bau einer Großserienproduktion für Lithium-Ionen-Zellen in Deutschland, basierend auf den Fertigungskonzepten von Giga-LIB. Entstanden ist die Initiative im Rahmen des Kompetenznetzwerkes Lithium-Ionen-Batterien (KLiB), dem 45 Unternehmen und Institute angehören. Gründungsgesellschafter von TerraE sind die BMZ Holding GmbH, Europas führender Hersteller von industriellen Batteriemodulen, Dr. Ulrich Ehmes, ehemals CEO des Schweizer Batterieherstellers Leclanché SA, und Holger Gritzka, bislang Manager beim Anlagenbauer ThyssenKrupp System Engineering, der auch die Geschäftsführung übernehmen wird. Nach Autobauern oder Zulieferern sucht man vergebens.

Bis 2028 sollen schrittweise Fertigungskapazitäten von bis zu 34 GWh/Jahr entstehen. Für die Finanzierung sorgen industrielle Partner und Finanzinvestoren.

Nicht nur für Elektroautos

Was die Technologie angeht, wird man wahrscheinlich auf nickelreiche Kathodenmaterialien (NCM523, NCM622) und siliziumhaltige Anoden setzen. Zumindest war das noch der Vorschlag einer Mehrheit der KLiB-­Mitglieder im Abschlussbericht zum Kongress „Batterieforum Deutschland 2016“.

Angelehnt am Fabless-Foundry-Modell in der Halbleiterindustrie, wo wie in der Batteriezellenproduktion Komplexität und Investitionssummen gleichermaßen stark steigen, übernimmt TerraE als „Foundry“ nur die eigentliche Fertigung. Die Entwicklung und Vermarktung findet in anderen Unternehmen statt.

Mit verschiedenen Zellformaten will TerraE nicht nur die Elektromobilität adressieren. Schließlich landet dort nur ein kleiner Teil der Akkus. Der Löwenanteil werkelt in Gartengeräten, Bohrmaschinen, Akkuschraubern oder medizinischen Geräten. Dazu kommen neben Gabelstaplern, Lieferfahrzeugen auch Hunderttausende von E-Bikes. Und noch speichern mehr Akkus Solarstrom als Elektroautos auf unseren Straßen unterwegs sind.

 

 

Batteriezellen für den Porsche 919 Hybrid (Bild: Porsche).

Die Batteriezellen für den Porsche 919 Hybrid kommen von A123 Systems aus China. (Bild: Porsche).