STARTUP: Autonom in den Lüften

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Autonome Fahrzeuge sind kaum auf der Strasse, da beginnen schon Flugroboter die Lüfte zu erobern. Ein senkrechtstartendes Lufttaxi mit Elektroantrieb soll noch dieses Jahr in Dubai abheben.

Vor ein paar Wochen feierte das deutsche Start-up e-volo auf Europas größter Luftfahrtmesse AERO in Friedrichshafen mit dem Serienmodell des personentragenden Multicopters  Volocopter 2X Weltpremiere. Sechs Jahre Arbeit lagen da hinter den Gründern aus Bruchsal bei Karlsruhe, in denen sie aus einem Prototypen ein senkrechtstartendes Fluggerät mit Elektroantrieb für zwei Passagiere entwickelten. Sie sind allerdings nicht die einzigen.

Etwa ein Dutzend Unternehmen arbeitet weltweit an ähnlichen Fluggeräten. Airbus nennt sein Projekt „Vahana“, das fliegende Langstrecken-Elektro-Taxi des Münchner Start-ups Lilium hat gerade seinen ersten Testflug absolviert und die niederländische Firma PAL-V hält mit einem Zwitter aus Auto und Helikopter dagegen. Selbst Automobilhersteller haben Lust auf die dritte Dimension bekommen. So soll etwa aus Toyota’s Skydrive-Auto Cartivator 2020 das Feuer bei den Olympischen Spielen in Tokio entzündet werden.

Die neuen Fluggeräte haben aber nicht nur mit der Schwerkraft zu kämpfen. Auch die nationalen Luftverkehrsbestimmungen hindern sie am Abheben. Deswegen hatte e-volo schon frühzeitig mit den Ministerien zusammen an Regelungen gearbeitet. Herausgekommen ist die neue deutsche Ultraleichtflug-Kategorie „Multicopter“. Über sie soll der Volocopter 2X nächstes Jahr eine Musterzulassung erhalten.

Multicopter für Megastädte

Die Vision wird jetzt aber bereits im vierten Quartal 2017 Realität. Und zwar In Dubai. Dort startet noch dieses Jahr mit dem badischen Multicopter ein regulärer Testbetrieb mit autonomen Lufttaxis. Denn bis 2030 will Dubai 25 Prozent seiner Reisen im Personenverkehr mit Hilfe autonomer Verkehrsmittel abwickeln. Damit wird mit Taxidrohnen die urbane Mobilität neu erfunden. In einer Studie des Fahrdienstvermittlers Uber stellen besonders Megastädte ab zehn Millionen Einwohner ein großes Potenzial für den Nahverkehr in der dritten Dimension dar. Etwa für „On-Demand-Lufttaxis“ mit Ubers Eigenentwicklung Puffin.

Autonom in der dritten Dimension

Was sich jetzt wie Science Fiction anhört, stellt sich bei genauerer Betrachtung als ziemlich naheliegend heraus. Schließlich ist autonomes Fliegen in mancherlei Hinsicht um einiges einfacher als autonomes Fahren. Da „oben“ gibt es weder Ampeln noch Fußgänger, und die Kurven sind gut einsehbar. Und die Vermeidung von Kollisionen mit anderen Flugobjekten stellt absolut kein technisches Problem dar. Sieht man aber die Vorbehalte gegenüber vollautonomen Fahrzeugen, wird schnell klar: da ist noch einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten.

Allerdings werden die Gründer von e-volo auch nicht mehr belächelt, wenn sie ihr Zwischending aus Hubschrauber und Drohne mit den 18 kleinen Rotoren über der Kabine vorstellen. Einige Unternehmen und Investoren sind mittlerweile beteiligt und Experten aus der „Old Economy“ konnten abgeworben werden. Die badischen „Flugpioniere“ scheinen der immer zahlreicherer werdenden Konkurrenz etwas voraus zu sein und könnten vielleicht das erste kommerzielle Lufttaxi auf den Markt bringen?

Volocopter – die Technik

Der vollelektrische Volocopter beherrscht neben dem Reiseflug die Fähigkeit zum senkrechten Starten und Landen sowie auf der Stelle schweben. Die Elektromotoren der 18 Antriebseinheiten werden von 9 unabhängigen Akkus versorgt. Sie reichen für 20 bis 30 Minuten. Die Höchstgeschwindigkeit soll zwischen 80 bis 100 km/h liegen.

Das Flugsteuerungssystem besteht aus mehreren vollständig unabhängigen Einheiten. Jede Flugsteuerungseinheit beinhaltet einen vollständigen Satz Lagesensorik, bestehend aus Druckmesser, Gyroskop, Beschleunigungsmesser und Magnetfeldmesser für alle drei Raumachsen. Und ist für sich alleine in der Lage den Volocopter vollständig zu kontrollieren.

Dabei steuert der Pilot mit nur einer Hand alle Flug-Achsen intuitiv über Achs- und Drehbewegungen des Joysticks. Die Pilotenvorgaben für Steigen und Sinken erfolgen mit einem Daumen-Höhenregler. Zur Landung drückt der Pilot den Höhenregler einfach nach unten, bis der Volocopter am Boden steht. Die Steuerung verlangsamt in Bodennähe automatisch das Sinken und der Volocopter setzt sanft auf.

In Deutschland soll der Volocopter im kommenden Jahr für 300.000 Euro auf den Markt kommen.

 

Volocopter (Bild: e-volo).

Schon bald könnte die Montage Wirklichkeit werden. (Bild: e-volo).