95 Prozent der innovativen Ideen floppen

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Sicher, eine grandiose Idee ist ein guter Anfang. Letztlich entscheiden allerdings andere Faktoren darüber, ob daraus erfolgreiche Produkte oder Services werden. Ein aktuelle Studie offenbart jetzt eine immense Verschwendung erfolgversprechender Potenziale.

Alle wollen Innovationsweltmeister werden. Schließlich sichern neue Produkte den Erfolg von Unternehmen und Wirtschaften. Der Königsweg dahin scheinen hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung zu sein. Bei global agierenden Unternehmen liegen diese nicht selten im Milliardenbereich. Um so erschreckender das Ergebnis einer empirischen Studie des IAI Bochum bei über 370 technologieorientierten Unternehmen. Danach kommen Neuproduktideen auf eine Flopquote von 95 Prozent. Und selbst von denen, welche es bis zur Markteinführung schaffen, wird nur jede zweite zum Erfolg.

Scheinbare Kundenorientierung

Die teuren Flops resultieren nicht selten aus einer falsch verstandenen Kundenorientierung. So fehlt es oftmals an einer echten Innenkenntnis der An- und Verwendungsbedingungen beim Kunden. An die Stelle tritt dann die Vermutung über das, was die Zielgruppe (ge-)brauchen können müsste. Die Befragung ergab denn auch, dass nur eine Minderheit der Unternehmen (38 Prozent) den Faktor „Kunde“ für die Suche nach neuen Innovationsimpulsen einbezieht.

Innovation IAI Bochum ReFo-Survey
Ein hektisches Tagesgeschäft lässt nicht genügend langfristige FuE-Aktivitäten zu. (Bild: IAI Bochum).

Dabei schätzen sogar die Forscher und Entwickler selbst das eigene Innovationsportfolio als begrenzt zukunftsfähig ein. Mehr als drei Viertel der Befragten sind überzeugt, zu wenig aus den Möglichkeiten ihres Unternehmens zu machen. In über 57 Prozent der Fälle wird die strategische Ausrichtung der eigenen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten bemängelt. Mit anderen Worten: In der FuE besteht durchaus eine hohe Sensibilität, zu wenig für das Geschäft von morgen zu tun und die Ressourcen noch (zu) stark auf das Heute zu konzentrieren.

Mehr als zwei Drittel der Befragten meinen ausserdem, dass ein hektisches Tagesgeschäft langfristige Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten beschränkt. Und fast die Hälfte der Unternehmen geben an, sich mit zu vielen kurzfristigen kundenorientierten Projekten zu befassen.

Ohne Geld keine Innovation

Neben dem „Druck des Kurzfristigen“ verhindern in rund einem Drittel der Fälle auch zu geringe Budgets eine ausreichende Zukunftssicherung. Und etwa ein Drittel der FuE-Experten beklagt grundsätzlich mangelnde Orientierung.

Was den operativen Bereich angeht, sind organisatorische Unzulänglichkeiten bis hin zu personellen Verfügbarkeiten für ungenutzte Potentiale verantwortlich. Wer etwa zu viele Projekte gleichzeitig verfolgt (57 Prozent), zu lange auf Entscheidungen wartet (47 Prozent) und dann zu wenige Forscher und Entwickler hat, die eigenverantwortlich anspruchsvolle Projekte bearbeiten können (57 Prozent), muss sich über hohe Flopraten nicht wundern. Auch überlastete Schlüsselpersonen (77 Prozent) machen erfolgreiche Innovationsarbeit nicht leichter.

Wie man knappe Mittel nützlicher einsetzt, haben die Bochumer Innovationsforscher herausgearbeitet. Entgegen gängiger Moden ist dabei aber nicht nur eine Steigerung von Effizienz das Ziel. Sie warnen vor einer einseitigen Ausrichtung auf kurzfristige Ziele: „Denn sonst besteht die Gefahr, hocheffizient das Falsche zu machen und Zukunftsfelder zu übersehen!“

Zur Studie

Die Studie „FuE-Management: Mehr aus knappen Innovationsressourcen machen“ (ISBN 978-3-928854-39-9) ist über das IAI Bochum zum Preis von 39 Euro zu beziehen.

 

 

 

 

 

 

 

Innovation (Bild: pixabay/Gerd Altmann).

Geniale Einfälle sind keine Erfolgsgaranten. (Bild: pixabay/Gerd Altmann).